«Tierwohl trifft auf Menschenwohl»: Unter dieses Motto stellte die Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte (GST) ihre grosse Podiumsdiskussion an den 13. Schweizerischen Tierärztetagen (STT). Diese fanden vom 6. bis am 8. Mai in der neuen Berner Festhalle von BernExpo statt.
Gertraud Schüpbach moderierte das Podiumsgespräch. «Für einmal sprechen wir im Rahmen von One Health nicht über die Gefahr, die von Tieren ausgeht», sagte die Dekanin der Vetsuisse-Fakultät. «Viele Konflikte rund um Menschen und Tiere haben ökonomische Hintergründe.» Dies zeigte die Kleintierchirurgin Simone Niederhäuser an einem Beispiel einer verunfallten Katze auf. «Wir kannten den Besitzer nicht und versuchten, das Leben der Katze zu retten.» Später musste das Tier euthanasiert werden, da sich sein Zustand nicht verbesserte – und der endlich gefundene Tierhalter wollte die Rechnung nicht bezahlen. Er beschimpfte die Angestellte, die ihm die Rechnung präsentierte. Und die Mitarbeiterin, die sich für die Operation entschieden hatte, stellte ihre Entscheidung infrage. «Wir haben das im Team besprochen, und wir würden heute wieder gleich vorgehen», sagte Niederhäuser. Jörg Allmendinger, Kantonsarzt von Glarus und Mitglied kantonsärztlicher Dienst Graubünden, unterstützte dies in seinem Votum: «Den einzigen Fehler, den man in dieser Situation machen kann, ist nicht zu entscheiden.»
Die Berner Sozialarbeiterin Vanessa Simon arbeitet im Begleiteten Wohnen der Suchthilfe Ost. Dort begleitet sie Klientinnen und Klienten, welche Haustiere haben. «Sie wirken sich stabilisierend auf unsere Klienten aus.» Die Klientinnen und Klienten übernähmen Verantwortung und konsumierten teilweise auch weniger Suchtmittel. «Eine instabile Phase kann aber dazu führen, dass sie ihr Tier vernachlässigen.» Daher achte sie als Sozialarbeiterin auch immer darauf, dass das Tierwohl gewahrt werde.
«Ich bin die Stimme der Tiere, auch wenn das den Tierhaltenden manchmal nicht gefällt»: Das sagte Melanie Kocher, stellvertretende Kantonstierärztin im Aargau. Sie stellte fest, dass die Emotionalität im Zusammenhang mit Tieren in den letzten Jahren gestiegen ist. Sie wünscht sich eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen den amtlichen und den praktizierenden Tierärztinnen und Tierärzten. «Wir haben alle das gleiche Ziel vor Augen: Das Wohl des Tieres.»




