Massentierhaltungsinitiative: Tierärztinnen und Tierärzte fordern die Überarbeitung des Gegenentwurfs

Donnerstag, 03. Dezember 2020

Die Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte (GST) begrüsst, dass das Wohlergehen der Tiere in der Bundesverfassung verankert werden soll. Im Gegenentwurf fehlen jedoch grundlegende Aspekte des Tierwohls. Insbesondere müssten auch importierte tierische Produkte die schweizerischen Standards erfüllen.

Tierfreundliche Unterbringung, regelmässiger Auslauf und schonende Schlachtung: Mit diesen Kriterien will der Gegenentwurf zur Massentierhaltungsinitiative das Wohlergehen der Nutztiere sicherstellen. Dies sollen die beiden bestehenden Tierwohlprogramme «RAUS» und «BTS» gewährleisten. Aus Sicht der Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte (GST) reichen diese Kriterien nicht, denn sie zielen allein auf genügend Bewegung und den Zugang ins Freie ab. Für das Wohlergehen der Tiere sind jedoch auch Faktoren wie die Gesundheit, Fütterung oder Betreuung entscheidend. Aus diesem Grund fordert die GST, dass der Gegenentwurf zur Massentierhaltungsinitiative überarbeitet werden soll.

Die GST lehnt die Massentierhaltungsinitiative ab. Diese würde die Nutztierhaltung in der Schweiz zu stark einschränken. Die GST will, dass in der Schweiz konsumierte Milch, Eier und Fleisch auch möglichst hier produziert werden. Dafür sprechen die hier geltenden Tierschutzvorschriften und eine gute tiermedizinische Versorgung. Die GST ist aber auch der Meinung, dass das Tierwohl im Nutztierbereich verbessert werden soll. Deshalb begrüsst sie einen Gegenentwurf, der das Tierwohl fördert. Aus Sicht der Tierärztinnen und Tierärzte müsste dieser jedoch Verbesserungen enthalten, die sich nach der Tierart und dem Produktionssystem richten. Was ist für das Wohlergehen eines Huhns wichtig? Welche Bedürfnisse hat ein Schwein? Forschungsprojekte sind notwendig, um herauszufinden, welche Verhaltensweisen für das Wohlergehen der Tiere wirklich wichtig sind. Nur aufgrund solcher wissenschaftlichen Erkenntnisse kann das Wohl verschiedener Tierarten in verschiedenen Produktionssystemen gefördert werden.

Die GST erachtet es zudem als kritisch, dass der Gegenentwurf keine Bestimmungen für importierte tierische Produkte enthält. Sie befürchtet, dass in der Folge mehr Lebensmittel aus dem Ausland importiert würden. Aus Sicht der Tierärzteschaft kann es nicht sein, dass in der Schweiz Lebensmittel tierischer Herkunft auf den Markt kommen, welche die verfassungsrechtlichen Kriterien zum Tierwohl nicht erfüllen.

Die Stellungnahme der GST zum Gegenentwurf ist zu finden unter: www.gstsvs.ch/stellungnahmen

Weitere Auskünfte:
Medienstelle GST, Tel. 031 307 35 37, media(at)gstsvs.ch

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