Die Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte lehnt ein generelles «social distancing» für Heimtiere ab

Freitag, 13. November 2020

Aufgrund des aktuellen Wissensstandes ist eine generelle Auslauf- und Bewegungseinschränkung von Heimtieren nicht gerechtfertigt. Das Tierwohl würde dadurch unverhältnismässig beeinträchtigt.

Ein kürzlich erschienener Zeitungsartikel von 20 minuten zitiert das amerikanische «Center for Disease Control and Prevention»: die sozialen Kontakte von Hunden und Katzen sollen aufgrund der Covid-19 Pandemie stark eingeschränkt werden. Hunde sollen nur noch an der Leine geführt werden und Kontakte zu anderen Hunden vermieden werden. Katzen sollen, wenn möglich drinnen gehalten werden.

Diese Empfehlungen sind in der Schweiz nicht generell anwendbar. Diese Meinung teilen sowohl das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV, die veterinärmedizinischen Fakultäten Zürich und Bern sowie die Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte GST und die ihr angegliederten Fachsektionen für Kleintiermedizin SVK, Tierschutz STVT und Verhaltensmedizin STVV.

Aufgrund des aktuellen Wissensstandes ist eine generelle Auslauf- und Bewegungseinschränkung von Heimtieren nicht gerechtfertigt. Das Tierwohl würde dadurch unverhältnismässig beeinträchtigt. Eine klare Empfehlung im Umgang mit Heimtieren besteht jedoch im Fall einer Quarantäne oder Isolation eines Tierhalters wegen Covid-19. In beiden Fällen sind Kontakte zwischen Tier und der sich in Quarantäne oder Isolation befindenden Person auf ein absolutes Minimum zu beschränken sowie die generellen Hygieneregeln (Händewaschen, kein Belecken des Gesichts durch das Tier etc.) zu befolgen. Während der Zeit der Quarantäne respektive Isolation sollte die Betreuung des Tiers möglichst durch eine andere Person erfolgen. Hunde müssen durch Dritte ausgeführt werden. Zudem sollte der Kontakt des Tieres zu Menschen ausserhalb des Haushalts und generell zu anderen Tieren möglichst vermieden werden.

Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keine Hinweise, dass Hunde, Katzen und andere Haustiere ein Infektionsrisiko für den Menschen darstellen oder dass diese bei der Verbreitung des Virus eine Rolle spielen. Bei allen gemeldeten Fällen von positiv getesteten Heimtieren haben sich die Tiere höchstwahrscheinlich aufgrund von engem Kontakt bei einer infizierten Person angesteckt und nicht umgekehrt. Bei der COVID-19 Pandemie ist primär die Übertragung von Mensch zu Mensch ausschlaggebend.

Die stets aktualisierten Empfehlungen im Umgang mit Heimtieren finden sich auf der Website des BLV und der jeweiligen Kantone.

 
TYPO3 Agentur