Bericht über den Einsatz von kritischen Antibiotika in der Tiermedizin im Kassensturz: Auch das Tierwohl berücksichtigen!

Mittwoch, 16. November 2016

Der Kassensturz kritisierte in seiner Sendung vom 15. November 2016 den Einsatz von kritischen Antibiotika in der Tiermedizin. Die Tierärztinnen und Tierärzte nehmen die Resistenzproblematik sehr ernst. Im Rahmen der nationalen Strategie gegen Antibiotikaresistenzen (StAR) engagiert sich die Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte (GST) an vorderster Front, setzt sich für erweiterte Massnahmen ein und plädiert für den One-Health-Ansatz. Die gesamthaften Antibiotika-Einsätze in der Veterinärmedizin sinken stetig. Der Tierschutz und das Tierwohl müssen dabei stets gewährleistet sein.

Die Tierärzteschaft ist sich der Auswirkungen von Antibiotika-Anwendungen sehr bewusst. Die eingesetzte Gesamtmenge sinkt in der Tiermedizin seit 2008 kontinuierlich. Kritische Antibiotika werden nur in rund 10% der Antibiotika-Verschreibungen eingesetzt. Die GST engagiert sich im Rahmen der 2015 eingeführten nationalen Strategie gegen Antibiotikaresistenzen (StAR) und die Tierärzteschaft setzt verschiedene konkrete Massnahmen um. Darunter fallen beispielsweise das Erarbeiten von Leitlinien für Antibiotika-Therapien und das Etablieren von weiteren Tiergesundheitsdiensten.

Die zentrale Rolle der Tierärztinnen und Tierärzte ist, die Gesundheit sowie das Wohl des Tieres zu erhalten und zu fördern. Im europäischen Vergleich gehört die Schweiz zu den Ländern mit dem geringsten Antibiotika-Einsatz, dennoch sind unsere Tiere auch in extensiven Haltungssystemen nicht gefeit vor bakteriellen Infektionen. Das Abwägen zwischen Tierwohl und Behandlung ist dabei eine grosse Herausforderung. Wie viel Krankheit, Schmerz und Leid darf einem Tier zugemutet werden, bevor Antibiotika eingesetzt werden? Müssen vermehrt Tiere sterben oder getötet werden, um den Einsatz von kritischen Antibiotika zu verhindern? Spielen diese Fragen beim Import von Lebensmitteln tierischer Herkunft auch eine Rolle? Dies sind ethische Fragen, mit welchen sich nicht nur die Tierärzteschaft, sondern auch die Gesellschaft künftig vermehrt auseinandersetzen muss.

Mit der Medienmitteilung vom 31. März 2016 machte die GST zudem auf die Verfügbarkeit von Antibiotika für Tiere aufmerksam: Tierärzten fehlen zunehmend Alternativen zu Reserve-Antibiotika für Nutztiere. Wegen Versorgungslücken sind Erstlinien-Antibiotika und Impfstoffe in der Schweiz oft nicht verfügbar. Die GST setzt sich dafür ein, dass eine weitere Reduktion des Antibiotikaverbrauches in der Tiermedizin erreicht wird. Es muss aber trotzdem möglich sein, die Tierbestände mit einer möglichst breiten Palette von Erstlinien-Antibiotika korrekt medizinisch zu betreuen, damit keine Behandlungsengpässe entstehen. Das Tierwohl und der Tierschutz müssen stets gewährleistet sein.

 
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