Der Notfalldienst im Fokus

Freitag, 27. Mai 2016

Die Problematik des Notfalldienstes wird von der Tierärzteschaft sehr unterschiedlich wahrgenommen. Die Praxisart, die Region aber auch die gesetzlichen Grundlagen des Kantons haben einen grossen Einfluss. Dies zeigte sich an der Podiumsdiskussion, welche die Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte (GST) am 13. Mai 2016 an den Schweizerischen Tierärztetagen in Lausanne organisierte.

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Auf dem Podium diskutierten Nutz- und Kleintier-Praktiker aus verschiedenen Regionen und ein Kantonstierarzt. Eine rege Diskussion fand anschliessend auch im Plenum statt, wobei viele Tierärztinnen und Tierärzte von ihren eigenen Erfahrungen aus dem Notfalldienst berichteten. Die Podiumsdiskussion knüpfte an die «Habsburger-Gespräche» vom Januar 2016 an, zu denen Vertreter der Fachsektionen und Ämter sowie Personen aus der Praxis eingeladen worden waren, um ihre Sicht der Notfallversorgung darzulegen und zu diskutieren. Was sich bereits an den «Habsburger-Gesprächen» abgezeichnet hatte, wurde auch an der Podiumsdiskussion bestätigt: Die Hauptproblematik besteht in der Notfallversorgung für Nutztiere und in Randregionen. In einigen Kantonen fehlt eine gesetzliche Grundlage, die den Notfalldienst regelt. Ebenfalls ist die Finanzierung unterschiedlich geregelt. Es gibt Kantone, in denen Tierärztinnen und Tierärzte, die keinen Notfalldienst leisten, eine Ersatzabgabe zahlen.

Die Meinungen im Plenum gingen auseinander, wie weit der Staat in die Notfallversorgung eingreifen sollte. Viele Tierärztinnen und Tierärzte sprachen sich dafür aus, hier selber die Initiative zu ergreifen – auch wenn gewisse gesetzliche Grundlagen der Kantone erwünscht sind. Ein Vorschlag war, ein GST-Zusatzzertifikat «geregelter Notfalldienst» an gut organisierte Praxen zu vergeben. Auch die Erarbeitung eines GST-Kodexes für das Verhalten der Tierärzte untereinander im gemeinschaftlich organisierten Notfalldienst wurde begrüsst. Einige Tierärztinnen und Tierärzte merkten an, dass die Kunden mehr darauf aufmerksam gemacht werden sollten, welche Leistungen im Notfalldienst erbracht werden.

Dass der Notfalldienst weiterhin an 365 Tagen während 24 Stunden gewährleistet bleiben soll, wurde nicht in Frage gestellt – es sind vielmehr die Bedingungen, unter denen der Notfalldienst geleistet wird, von denen sich die Tierärztinnen und Tierärzte Verbesserungen wünschten.

 
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