Ja zur Reduktion des Antibiotikaeinsatzes – aber wo sind die Alternativen?

Donnerstag, 31. März 2016

Tierärzten fehlen zunehmend Alternativen zu Reserve-Antibiotika für Nutztiere. Wegen Versorgungslücken sind diese oft nicht verfügbar. Dies erschwert es, das Ziel der revidierten Tierarzneimittel-Verordnung zu erreichen: durch den fachgerechten Einsatz von Antibiotika die Bildung von Resistenzen zu vermindern.

Reserve-Antibiotika sollen in der Tiermedizin nur eingesetzt werden, wenn kein anderer Wirkstoff mehr zielführend ist. Nutztierärzte müssen jedoch vermehrt auf solche Antibiotika zurückgreifen, weil Alternativen fehlen. Da Erstlinien-Antibiotika und Impfstoffe nur zeitweise oder in der Schweiz gar nicht erhältlich sind, sind die Möglichkeiten der Nutztierärzte stark eingeschränkt, um das Ziel der revidierten Tierarzneimittel-Verordnung zu erfüllen. Diese wurde am 11. März im Bundesrat verabschiedet und tritt auf 1. April 2016 in Kraft.

Bei einer fachgerechten Anwendung von Antibiotika wird in der Regel zuerst ein Erstlinien-Antibiotikum wie zum Beispiel Penicillin oder Tetrazyklin verwendet. Momentan sind für Nutztiere jedoch bestimmte Erstlinien-Antibiotika wie Sulfonamid-Trimethoprim nur begrenzt beziehungsweise nicht erhältlich, oder in der Schweiz nicht zugelassen. Dies führt dazu, dass beispielsweise leichte Euterentzündungen bei Kühen intravenös mit Reserve-Antibiotika wie Tylosin oder Fluorchinolonen behandelt werden müssen.

Bei den kurz- oder längerfristig ausfallenden Präparaten liegt der Grund meistens bei einem Lieferengpass des Wirkstoffes. Weltweit gibt es oft nur noch eine Grundstätte für die Produktion. Wenn ein Hersteller aus gesetzlichen Gründen wie einer Neuakkreditierung oder der Kontrolle durch Behörden zu Anpassungen gezwungen ist, kommt es zu Engpässen.

Im November 2015 hat der Bundesrat die nationale Strategie Antibiotikaresistenzen (StAR) verabschiedet. Für die Strategie wurden in einem One-Health-Ansatz, das heisst unter Miteinbezug der Humanmedizin, der Veterinärmedizin und der Landwirtschaft, Ziele und Massnahmen definiert, um die Wirksamkeit von Antibiotika für Mensch und Tier in Zukunft zu erhalten. Ein Ziel ist auch die bessere Verfügbarkeit von Erstlinien-Antibiotika. Die Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte (GST) setzt sich dafür ein, dass eine weitere Reduktion des Antibiotikaverbrauches in der Tiermedizin erreicht wird. Es muss aber trotzdem möglich sein, die Tierbestände mit einer möglichst breiten Palette von Erstlinien-Antibiotika korrekt medizinisch zu betreuen, damit keine Behandlungsengpässe entstehen. Das Tierwohl und der Tierschutz müssen stets gewährleistet sein.

Weitere Auskünfte:
Medienstelle GST, Tel. 031 307 35 37, media(at)gstsvs.ch

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