Stellungnahme: Bericht über die Gewinnung von PMSG im Kassensturz

Mittwoch, 28. Oktober 2015

Das Hormonpräparat Pregnant Mare Serum Gonadotropin (PMSG) wird unter anderem in der Schweinezucht zur Auslösung und Synchronisation der Brunst bei Mutterschweinen eingesetzt. Hierfür kommen in der Schweiz insbesondere die Produkte P.G. 600® und Folligon® der Firma MSD Animal Health zur Anwendung. In der Sendung Kassensturz vom Schweizer Fernsehen SRF vom 29.09.2015 wurde über die Gewinnung von Blutserum trächtiger Stuten auf «Blutfarmen» in Südamerika zur Herstellung des Medikamentes berichtet.

Grundsätzlich müssen die Tierärztinnen und Tierärzte sich darauf verlassen können, dass in der Schweiz operierende Pharma-Unternehmen sich korrekt verhalten und ihre tierischen Rohstoffe unter tierschützerisch (nach Schweizer oder Europäischem Standard) akzeptablen Bedingungen gewonnen werden. Die GST hatte bis anhin keine Kenntnis über skandalöse Umstände, unter denen das Hormon teilweise gewonnen werden soll. Wenn diese Informationen stimmen, sind die gezeigten Methoden zur Blutgewinnung aus Sicht der GST inakzeptabel und klar abzulehnen.

Die GST hat den Geschäftsführer von MSD Animal Health Schweiz direkt mit den gemachten Vorwürfen konfrontiert. Wir wurden darüber informiert, dass die MSD kein Blutplasma von der im Kassensturzbericht gezeigten Farm bezieht. MSD bezieht zwar Blutplasma aus Südamerika (Chile und Uruguay), jedoch auch aus europäischer Produktion. MSD habe bereits konkrete Schritte eingeleitet und werde alle Farmen, von welchen sie Blutplasma beziehen, umgehend auditieren. Sollten auf diesen Farmen Zustände wie im gezeigten Beitrag herrschen, wird die Zusammenarbeit mit dem entsprechenden Hersteller eingestellt.

Der GST liegt die offizielle Stellungnahme von MSD vor. Zusätzlich zu den behördlichen Auflagen gibt es vertraglich festgelegte Tierschutz-Standards. Auch die Überwachung von Anämien und eine strenge Obergrenze für die Blutentnahmen seien inbegriffen. Die GST bat MSD, diese Aussagen genauer zu definieren. So hätten wir unter anderem gerne gewusst, wie die vertraglich festgelegten Tierschutz-Standards genau lauten, was die Referenzwerte bezüglich der Anämien sind, wieviel Blut entnommen wird und wie die Trächtigkeiten abgebrochen werden. Unter Berufung auf die Vertraulichkeit der Verträge konnte uns MSD aber keine der Fragen beantworten und es ist auch keine einsehbare Dokumentation der geplanten Untersuchungen vorgesehen.

Ziel der GST und unserer Mitglieder sind gesunde Tiere, Achtung der Tierwürde und artgerechte Haltungsbedingungen. Wenn MSD der Tierärzteschaft keine genaueren Informationen geben kann, empfehlen wir unseren Mitgliedern, die Medikamente bis auf weiteres nicht mehr zu verwenden und alternative Behandlungen zu prüfen.

 
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