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Journal Schweizer Archiv für Tierheilkunde
Verlag GST
Heft Band 158, Heft 6, Juni 2016
Sonderheft Antibiotikaresistenz
ISSN (print) 0036-7281
ISSN (online) 1664-2848
online seit 2. Juni 2016

Antibiotikaresistenz

Was macht die GST?

Antibiotikaresistenzen nehmen weltweit zu. In der Schweiz wurde im Rahmen eines nationalen Forschungsprogrammes von 2001–2006 eine Lagedarstellung der Antibiotikaresistenzen in der Humanmedizin, der Veterinärmedizin und der Umwelt vorgenommen. In der Folge wurden landesweit verschiedene Massnahmen ergriffen und an Lösungen gearbeitet, mit dem Ziel, die Wirksamkeit der Antibiotika zu erhalten. Die bisherigen Bemühungen reichen indes nicht aus, weshalb der Bund im Rahmen von «Gesundheit 2020» eine ganzheitliche und vernetzte Strategie (Strategie Antibiotikaresistenzen, kurz StAR) in Angriff nahm. StAR wurde am 18. November 2015 vom Bundesrat verabschiedet und wird nun umgesetzt.

Tierärzte in der öffentlichen Kritik
Beim Thema Antibiotikaresistenzen ist die Tiermedizin in den Medien und seitens der Humanmedizin der Kritik ausgesetzt, durch die häufige (insbesondere prophylaktische) Verabreichung von Antibiotika und den Einsatz von kritischen Antibiotika («Reserveantibiotika ») die Entstehung von Resistenzen zu begünstigen. Der Druck von Gesellschaft und Politik auf die Tierärzteschaft, die Verabreichungen von Antibiotika zu minimieren, ist gross.

Vor allem in der Nutztiermedizin wird der politische Hebel angesetzt. Dort werden die grössten Mengen an Antibiotika verbraucht. Die in diesem Bereich tätigen Tierärztinnen und Tierärzte bemühen sich tagtäglich, unter dem Druck der Landwirte und deren engen finanziellen Verhältnissen, ihre Verantwortung wahrzunehmen. Umso bedenklicher mutet die Tatsache an, dass im Jahr 2015 wiederum alle wichtigen first-line-Antibiotika und diverse Impfstoffe wenigstens zeitweise in der Schweiz nicht zur Verfügung standen. So waren im Sommer die Trockensteller für Kühe mit Penicillin nicht mehr lieferbar, im November wurde bekannt, dass das einzige Tetrazyklin-Präparat auf dem Schweizer Markt zur intravenösen Verabreichung ohne Langzeitwirkung mehr als ein halbes Jahr lang nicht mehr erhältlich ist und Ende Jahr kam Sulfonamid-Trimethoprim Injektionslösung dazu. Auch bei den Kleintieren und Pferden kommt es zu unsinnigen Antibiotika-Einsätzen – wegen fehlenden Alternativen.

Was kann die GST tun?
Die GST versucht, das Problem auf verschiedenen Stufen anzugehen: Bei den kurz- oder längerfristig ausfallenden Präparaten liegt der Grund meistens bei einem Lieferengpass des Wirkstoffes. Bei den Preiskämpfen in der Pharmaindustrie kann meistens nur noch der günstigste Anbieter ein «altes» Produkt mit relativ kleinen Margen weiterhin verkaufen. Dieser Anbieter bezieht den Wirkstoff wiederum vom günstigsten oder noch einzig verbleibenden Zulieferer, der diesen auch unter hohem Kostendruck herstellen muss. Wenn ein solcher Zulieferer, oft in Schwellenländern, plötzlich zu Anpassungen gezwungen wird (z. B. Kontrollen durch Behörden, Mängel bei der Produktion, veraltete technische Anlagen, Umweltvorgaben, fehlende Rohstoffe), kann es zu den beschriebenen Engpässen kommen. Auch das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) hat Handlungsbedarf festgestellt und engagiert sich bereits, in Zusammenarbeit mit der GST Lösungen anzustossen. Auch mit der Schweizer Veterinärpharma-Branche und Swissmedic ist die GST in regelmässigem Austausch.

Ein weiteres Problem ist der unterschiedliche Wissensstand bezüglich Pharmakologie und sinnvollem Antibiotika- Einsatz bei den Tierärztinnen und Tierärzten. Das Gesetz schreibt unserem Berufsstand eine lebenslange Weiterbildung vor. Erst zögerlich beginnt aber eine Kontrolle dieser Vorschrift, indem Amtstierärzte in einigen Kantonen die Bewilligung zur Berufsausübung oder zur Führung einer tierärztlichen Privatapotheke daran knüpfen. Vielen Praktikern fehlen im täglichen Zeitdruck auch konkrete und seriöse Empfehlungen für spezifische Indikationen. Im Rahmen von StAR werden nun solche Antibiotika-Leitlinien ausgearbeitet, zuerst für Pferde und Kühe, dann für Kleintiere, Hühner und Pferde.

Die GST arbeitet an den Leitlinien für den Antibiotika-Einsatz mit
Die GST beteiligte sich massgeblich bei der Entwicklung einer geeigneten Form für Leitlinien für den Einsatz von Antibiotika in der Tiermedizin.

Schon im letzten Jahr haben die GST und die Sektionen detailliert zu den Themen Antibiotikaresistenzen, StAR und Revision der Tierarzneimittel-Verordnung (TAMV) Stellung genommen, Positionspapiere erarbeitet und publiziert. Hierdurch von der Basis gestützt und mit dem Fachwissen der Sektionen im Rücken, kann die GST Forderungen anbringen. Die Arbeitsgruppe Tierarzneimittel begleitet diesen Prozess. Bei regelmässig stattfindenden Sitzungen werden mit Vertretern aus den grossen Fachsektionen (SVK, SVW, SVSM, SVMP, camvet.ch) wichtige Themen beraten und mögliche Massnahmen und Lösungsansätze skizziert.

Engagement der Sektionen
Der Dachverband erhält massgebende Unterstützung durch die Sektionen. Sie bringen sich einerseits mit ihren spezifischen Fachkenntnissen ein, organisieren aber auch eigenständig Veranstaltungen: Die Fachsektion für Kleintiermedizin (SVK) hat im 2015 ihren mehrtätigen Fortbildungsanlass im Lavaux dem Thema gewidmet. Die Regionalsektion Bern (VBT) organisierte im Herbst 2015 eine Tagung bei der sich die Mitglieder über die laufenden Entwicklungen im Bereich StAR, Tierarzneimittel- Verordnung und Vollzug informieren lassen konnten.

Mit der neu geschaffenen Stelle für die Fachbereiche Tierarzneimittel und Tierärztliche Tätigkeiten auf der Geschäftsstelle hat die GST nun auf operativer Ebene mehr Ressourcen, um sich noch engagierter einsetzen zu können. Mit dem Besuch von Tagungen, Weiterbildungen, Workshops zu StAR und Informationsanlässen knüpft die GST wichtige Kontakte zu mitinvolvierten Kreisen. Denn eines ist klar: «Der grössten Bedrohung für die Gesundheit in der Schweiz» (Aussage der Eidgenössischen Fachkommission für biologische Sicherheit) können weder die Tierärzte noch die GST alleine gegenübertreten. Die GST setzt sich dafür ein, dass eine Reduktion des Antibiotikaverbrauches und somit der Resistenzbildung in der Tiermedizin erreicht wird, aber unter Beachtung der tiermedizinischen Erfordernisse und der Wahrung des Tierwohls.

Patrizia Pfister, Dr. med. vet. FVH
Fachbereich Tierarzneimittel, Geschäftsstelle GST


Positionspapiere der GST und Sektionen zu Antibiotikaresistenzen:
www.gstsvs.ch/positionen

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