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Journal Schweizer Archiv für Tierheilkunde
Verlag GST
Heft Band 158, Heft 1, Januar 2016
ISSN (print) 0036-7281
ISSN (online) 1664-2848
online seit 4. Januar 2016

200 Jahre SAT

SAT auf retro.seals.ch – Aufnahme ins elektronische Zeitschriftengedächtnis

Das DigiCenter der ETH-Bibliothek verfügt über leistungsfähige Scanner, mit denen umfangreiche Bestände von Zeitschriften effizient eingelesen werden können. © Frank Blaser, 2015

Die ETH-Bibliothek macht auf der Plattform retro.seals.ch die vollständigen Bestände von über 350 Zeitschriften für die Öffentlichkeit frei zugänglich. Zu diesen Zeitschriften gehört schon bald auch das SAT. Sämtliche Hefte bis Jahrgang 2001, werden in den nächsten Monaten digital erfasst und damit langfristig online archiviert.

Schon bald ist es soweit: Das «Schweizer Archiv für Tierheilkunde» (SAT) macht sich mit einem weiteren Schritt fit für das digitale Zeitalter. Die älteste veterinärmedizinische Zeitschrift der Welt wird in die Plattform retro.seals.ch aufgenommen. Damit sind künftig sämtliche SAT-Ausgaben von 1816 bis 2001 online für jedermann frei zugänglich.

Über 4 Millionen Seiten

Die Plattform retro.seals.ch wird von der ETH-Bibliothek betrieben. Lanciert wurde sie im Jahr 2005. Damals startete die ETH-Bibliothek das Projekt E-Archiving, das sich mit der langfristigen digitalen Verfügbarkeit wissenschaftlicher Inhalte befasste. In einem Teilprojekt wurden gedruckte Zeitschriften – vorwiegend aus dem Bereich Architektur – digitalisiert und in eine Online- Plattform überführt. In Zusammenarbeit mit dem Konsortium der Schweizer Hochschulbibliotheken entwickelte sich daraus die Plattform retro.seals.ch, die 2013 schliesslich vollständig von der ETH-Bibliothek übernommen wurde. Das Online-Angebot hat inzwischen einen beachtlichen Umfang erreicht: Insgesamt 351 Zeitschriften mit über 4 Millionen Seiten finden sich im Verzeichnis. Die thematische Palette reicht von technischen Publikationen über medizinische Schriften bis hin zu Kulturzeitschriften. «Anfänglich lag der inhaltliche Fokus von retro. seals.ch auf wissenschaftlichen Zeitschriften», erklärt Regina Wanger, Leiterin des DigiCenters der ETH-Bibliothek. «Doch im Laufe der Jahre wurde das Profil nach und nach erweitert. Heute finden sich auf der Plattform auch viele Publikationen, die nicht-wissenschaftliche Sachgebiete abdecken.»

Zugang zu vergriffenen Ausgaben

Damit eine Publikation in retro.seals.ch aufgenommen werden kann, müssen gewisse Kriterien erfüllt sein: Die Zeitschrift muss einen klaren Bezug zur Schweiz haben, sie muss von allgemeinem Interesse sein und nicht zuletzt muss sich auch der Herausgeber mit einer Veröffentlichung einverstanden erklären. Die Nachfrage von Institutionen, die ihre Zeitschrift in die Plattform aufnehmen möchten, sei gross, erklärt Wanger. «Die Herausgeber müssen sich zwar an den Kosten beteiligen. Doch unter dem Strich ist es für sie eine lohnenswerte Investition, denn sie können von der vorhandenen Infrastruktur und der Bekanntheit der Plattform profitieren. » Bis auf ganz wenige Ausnahmen wie etwa die Kulturzeitschrift «Du» oder das satirische Magazin «Nebelspalter» werden Publikationen von kommerziellen Verlagen nicht berücksichtigt. Diese Verlage verfügen in der Regel ohnehin über eigene Archivierungsmöglichkeiten und haben oft kein Interesse, frühere Beiträge der Allgemeinheit kostenlos zur Verfügung zu stellen.

«Grundsätzlich sind wir bestrebt, den Herausgebern attraktive Bedingungen zu bieten», betont Wanger. «Dies ist auch im Interesse der Allgemeinheit, denn die Plattform ist als ‹elektronisches Zeitschriftengedächtnis› ein hilfreiches Instrument für die Forschung.» Doch nicht nur bei Hochschulangehörigen und Forschenden, sondern auch beim breiten Publikum stösst das Angebot auf grosses Interesse: «Im Moment haben wir knapp 500 000 Visits pro Monat – mit steigender Tendenz», erklärt Wanger. «Besonders attraktiv für die User ist, dass auf der Plattform längst vergriffene Ausgaben wie der zugänglich gemacht werden. Die ältesten Zeitschriften, die man auf retro.seals.ch findet, wurden Anfang des 18. Jahrhunderts veröffentlicht.»

Stetige Erweiterung der Infrastruktur

Bis eine Zeitschrift wie das SAT vollständig auf der Plattform verfügbar ist, dauert es einige Monate. Der erste Schritt, die eigentliche Digitalisierung, verläuft relativ zügig. Dank der modernen Scanner, mit denen die Hefte effizient bearbeitet werden können, rechnet Wanger im Falle des SAT mit einem Digitalisierungsaufwand von drei bis vier Monaten. Dabei wird das Zeitschriftenmaterial vollständig erfasst, also inklusive Inserateseiten und allfälligen Sonderbeilagen. Dank der optischen Zeichenerkennung (OCR) kann später über die Volltextsuche im gesamten Bestand nach einzelnen Stichworten gesucht werden. Die Dokumente auf retro.seals.ch werden zudem auch bei Google- Suchanfragen berücksichtigt. Wesentlich aufwändiger ist der zweite Schritt, nämlich die Erschliessung der einzelnen Texte. Jeder einzelne Artikeltitel sowie Autoren werden manuell erfasst. Texte, die sich über mehrere Seiten erstrecken, werden so markiert, dass sie später in einem einzigen PDF-Dokument dargestellt werden können.

retro.seals.ch wurde ursprünglich nicht für derart grosse Datenmengen konzipiert. Die ETH-Bibliothek musste daher die IT-Infrastruktur laufend anpassen. Gerade durch diese Anpassung ist nun ein langfristiger Betrieb der Plattform gewährleistet. Ab März 2016 ist diese Weiterentwicklung nun für alle Nutzerinnen und Nutzer sichtbar: retro.seals.ch wird in e-periodica. ch umbenannt und erscheint in einem neuen responsiven Design, das auch auf Tablets und Smartphones ein bequemes Stöbern in den alten Beständen ermöglicht. Mit der Aufnahme in retro.seals.ch / e-periodica.ch ist das SAT nun also bestens gerüstet für das digitale Zeitalter.

www.retro.seals.ch
www.e-periodica.ch (ab ca. März 2016)

Text: Felix Würsten
Bild: © Frank Blaser, 2015

 
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