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Journal Schweizer Archiv für Tierheilkunde
Verlag GST
Heft Band 157, Heft 8, August 2015
ISSN (print) 0036-7281
ISSN (online) 1664-2848
online seit 4. August 2015

Sommerreportage: Leben im Verborgenen

Die kleinen grossen Unbekannten brauchen unsere Unterstützung

Tägliches «Sozialgeschnatter» an der Holzfassade von Haus Nr. 221 an der Zürichbergstrasse beim Zoo Zürich.
In der von Hans-Peter B. Stutz angebrachten Wochenstube (roter Pfeil) ziehen Fledermausmütter ihren Nachwuchs auf. Mitte Mai zählte der Biologe insgesamt 86 Muttertiere.

Ihr Reich ist die Nacht. Sie halten die uns Menschen lästigen Insekten in Schach. Von uns werden sie kaum wahrgenommen, weil die wendigen, dämmerungs- und nachtaktiven Fledermäuse tagsüber in Verstecken in Schlaflethargie fallen. Sie haben vielschichtige natürliche Lebensraumansprüche. Wir sanieren Gebäudehüllen, versiegeln Holzfassaden, bauen Dachstöcke um, bewirtschaften Land, Wald, Flussufer.

Es steht schlecht um die meisten Feldermausarten in Mitteleuropa. Auch in unserem Land sind die einheimischen Fledermäuse und faszinierenden Flugakrobaten, die während ihrer nächtlichen Nahrungssuche Unmengen an Insekten vertilgen und sich dabei am Echo ihrer Ultraschallrufe orientieren, stark gefährdet. Einige von ihnen stehen auf der Roten Liste, obwohl die Schweiz diese wilden Kleinsäuger bereits 1966 unter Schutz gestellt hat. Fledermausspezialisten und -fachleute sind rar und fledermausaffine Tierfreunde unverzichtbare Helfer in der aktiven Sensibilisierungs-, Schutz- und Überwachungsarbeit für diese Fledertiere.

Allein bei der Stiftung zum Schutz unserer Fledermäuse in der Schweiz (SSF) sind im letzten Jahr landesweit 1262 telefonische Hilferufe bearbeitet und 252 verletzte, kranke oder anderswie in Not geratene Fledermäuse auf der Notpflegestation am Stiftungssitz beim Zoo Zürich gepflegt worden. Die Fundumstände der im 2014 dokumentierten 251 Pflegefälle – manch einer «landet» ohne weitere Fundinformation beim Zoo – zeigen: Waren nicht Katzen ihr Verhängnis (47), wurden sie zwischen Scheiterbeigen (3), in Innenräumen (48) oder draussen (109) aufgefunden. Dokumentiert ist auch, dass nicht ganz die Hälfte, 120, wieder freigelassen werden konnten. 73 mussten aufgrund gravierender Verletzungen eingeschläfert werden, 43 sind gestorben und 15 Findlinge waren bereits tot. In menschliche Obhut werden nur diese Pflegefälle genommen, welche nach möglichst kurzer Zeit wieder ausgewildert werden können.

Die nachtaktiven Leichtgewichte verlieren zusehends ihre Schutzorte vor Räubern wie Mardern, Vögel, Katzen und finden keine Unterschlüpfe mehr für ihren lethargischen Winterschlag. Selber Hohlräume zu bauen sind die alles andere als stämmigen Wildtiere nicht in der Lage – auch wenn Arten wie etwa das Grosse Mausohr oder der Riesenabendsegler Flügelspannweiten zwischen 35 bis 46 cm aufweisen. Also verkriechen sie sich zwangsläufig in Vogelnist- und Fledermauskästen, Scheiterbeigen, Rollladen- und Sonnenstorenkästen usw., oder finden keinen Unterschlupf.

In der von Hans-Peter B. Stutz angebrachten Wochenstube ziehen Fledermausmütter ihren Nachwuchs auf.
Katzen-Opfer sind häufige Fälle auf der Fledermaus-Pflegestation. Diese Fledermaus musste wegen ihrer gravierenden Verletzungen an der Flughaut euthanasiert werden.
Röntgenaufnahme (Kontrollbild nach drei Wochen) eines Grossen Abendseglers, dessen Fraktur an Tibia und Fibula links im Tierspital Zürich erfolgreich behandelt werden konnte.
Mögliche Erste-Hilfe-Massnahme: Ein wenige Tage altes Fledermausbaby wird in der Nähe des Fundortes auf einem selbstgebastelten Kuschelturm (mit Stoff oder einer Socke überzogene Flasche oder Schüssel) dem Muttertier angeboten.

Eine logische Konsequenz

Dem Schutz der fliegenden Säugetiere in der Schweiz, und besonders der nachhaltigen Sympathiewerbung für ihre Schützlinge in der breiten Öffentlichkeit, verschreibt sich die Stiftung Fledermausschutz seit ihrer Gründung im Jahr 1988. Ihre Mitarbeitenden betreiben nebst der Pflegestation mit 24-Stunden-Nottelefon intensive Aufklärungs- und Ausbildungsarbeit an verschiedenen Fronten. Als Tierärztin ist Mitarbeiterin Dr. med. vet. Patrizia Wunderlin für die medizinische Erstversorgung der Fledermäuse zuständig, und sie engagiert sich als Kursleiterin und Lehrkraft für Propädeutik und Krankheitslehre gemeinsam mit Dr. Hans- Peter B. Stutz, Biologe und Lehrkraft für allgemeine Biologie, Morphologie und Physiologie, in Aus- und Weiterbildungsprojekten. Beide unterstützt als Dritte im Bunde die diplomierte Tierpflegerin Kerstin Imboden als Lehrkraft für Tierpflege. Sie leitet die Fledermaus Notstation und betreut das Fledermaus Nottelefon.

Erwartet hatte ich bei meinem Besuch am Stiftungssitz an der Zürichbergstrasse 221 an jenem Montagmorgen am 18. Mai einen Raum voll dicht aneinander gedrängter, kopfüber freihängender, piepsender und zeternder, dunkelfelliger Tiere. Ich war zugegebener Massen noch nie einer begegnet, auch nicht in China, wo Fledermäuse als Glücksbringer gelten. Es ist ihre Flughaut, die sie für mich zu unheimlichen Wesen degradiert. Umso überraschter war ich, nur einen einzigen Fledermauspatienten im «Krankenzimmer» der Notpflegestation anzutreffen. «Das ist ganz unterschiedlich und auch saisonabhängig. Während der Winterzeit können es locker auch mehrere Dutzend verletzter, kranker oder geschwächter Fledermäuse sein, die wir hier medizinisch erstversorgen und betreuen», holt mich Tierärztin Patrizia Wunderlin in die Realität.

Zu dünn und auf Hilfe angewiesen

Es ist eine Rauhautfledermaus, die laut Aufnahmeprotokoll am 14. Mai gelandet, oder besser eingeliefert worden ist und nun im Schutz einer kleinen Kiste aufgepäppelt wird. Entdeckt wurde das Weibchen an einer Hausmauer. Und da der Findling in der Abenddämmerung, seinen Artgenossen gleich, nicht wieder wegflog, wurde er zum Stiftungssitz gebracht: stark untergewichtig und mit einem kleinen Loch in der Flughaut. Mit inzwischen 5,2 Gramm Körpergewicht, so steht’s im Verlaufsprotokoll, fehlen dem Winzling noch mindestens 0.8 Gramm mehr auf der Waage, bis ihn seine vorübergehenden Betreuer aus ihrer Obhut in die Freiheit entlassen werden.

99 Prozent der Pflegefälle sind Standardfälle. Es handelt sich hauptsächlich um geschwächte, abgemagerte Tiere. Ganz selten wird eine Fledermaus auch in sehr wertvoller Zusammenarbeit mit Tierärzten der Klinik für Zoo-, Heim- und Wildtiere der Vetsuisse-Fakultät untersucht und behandelt. «Die zu den kleinsten unserer einheimischen Arten zählende Rauhautfledermaus ist eigentlich ein Spezialfall, denn diese den Zwerg- und Mückenfledermaus stark ähnlich sehenden halten sich normalerweise von August bis März in der Schweiz auf», erklärt Patrizia Wunderlin während sie das Leichtgewicht mit dem Inhalt einer Mehlwurmlarve füttert. Die Tagesration seien 20 solcher Mehlwürmer. Frau rechne! Bis zu einem Drittel ihres Körpergewichts erbeuten gesunde Fledermäuse nämlich auf ihren nächtlichen Nahrungsflügen an Insekten.

Aufpäppeln eines tierischen Patienten: Patrizia Wunderlin auf der Fledermaus-Notpflegestation am Stiftungssitz beim Zoo Zürich beim Füttern der kleinen Rauhautfledermaus.
Patrizia Wunderlin nutzt nach der Fütterung der Rauhautfledermaus-Patientin auf der Notpflegestation am Stiftungssitz beim Zoo Zürich die Gelegenheit, auch deren Flughaut zu überprüfen.

Fledermaus sucht Doktor

Aktuell werden Tierärztinnen und Tierärzte gesucht, welche die ausgebildeten Fledermaus-Pflegenden in ihrer freiwilligen Arbeit unterstützen. Sei es mit kompetenten medizinischen Ratschlägen, mit der Abgabe von (kleinen Mengen) Medikamenten oder notfallmässigen Euthanasien von schwerverletzten Fledermäusen.

Erste Schritte um die Tierärzte auf diesen Weg zu bringen hat die Stiftung Fledermausschutz in Zusammenarbeit mit Kompanima, dem Tierschutz-Kompetenzzentrum Schweiz (ein Projekt der im Tierschutz tätigen Stiftung Haldimann) getan. Kompania hat als Veranstalter und Geldgeber die Regionalsektionen der Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte (GST) kontaktiert und mit ihnen die Möglichkeiten abgeklärt, im Rahmen regionaler Stammtisch-Abende und/oder Weiterbildungsprogramme den Anwesenden anhand eines Vortrages aufzuzeigen, was aus biologischer und tierärztlicher Sicht alles passieren kann, wenn eine lethargische oder laut kreischende Fledermaus in der Tierarztpraxis vorstellig wird. Als Referenten fungieren die auch über die Schweizergrenze hinaus vernetzte Fledermausspezialistin Patrizia Wunderlin, Hans-Peter B. Stutz, der die Fledermaus- Notpflege seit 1981 leitet, sowie Pflegestation-Mitarbeiterin Kerstin Imboden. Erste, den zeitlichen Wünschen der Sektionen angepasste Vorträge haben bereits in den Regionen Zürich und Thurgau stattgefunden. Die Resonanz auf die kurzweiligen Referate über dieses «anders funktionierende » Säugetier war sehr erfreulich. Ein weiterer Informationsanlass ist für November 2015 in der Region Solothurn vorgesehen.

Weder Vogel noch Maus

Als nächsten Schritt erhalten weitergeghend interessierte Tierärztinnen und Tierärzte in einem halbtägigen Nachmittags- Workshop veterinärmedizinische Insiderinformationen über Behandlungsprozedere und -grenzen von Alpen-, Mops-, Wasser-, Rauhautfledermaus und Co., über ihre Besonderheiten und darüber, wie weit die medizinische Betreuung dieser speziellen Wildtierart gehen darf. Denn oberstes Ziel der Fledermaus-Pflege ist eine schnellst mögliche Wiederauswilderung der Pfleglinge. Verletzte Tiere, die nicht mehr flugtauglich werden, können in freier Wildbahn nicht überleben und werden euthanasiert. Die Fledermaus benötigt spezifisches Knowhow auch im Handling. Auch sind Medikamentengabe und Euthanasie den Tierärzten vorbehalten. Als Durchführungsort des Workshops im Herbst/Winter 2015 ist der Stiftungssitz beim Zürich Zoo vorgesehen. Bis heute haben sich rund zwei Dutzend Veterinäre zur Teilnahme angemeldet. Weitere Workshops in anderen Kantonen sind geplant.

«Viele Tierärzte kennen sich mit Vögeln und Mäusen gut aus. Doch die Fledermaus ist weder das eine noch das andere. Mit ihr muss anders umgegangen werden.»

Gibt es keine Tierärzte in der Schweiz, die sich in ihrer Praxistätigkeit auf die Behandlung von Fledermäusen spezialisiert haben? Die Frage beantwortet mir Tierärztin und Mitglied der Tierversuchskommission des Kantons Zürich, Kathrin Herzog. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Kompanima kümmert sie sich um die organisatorischen Belange der regionalen Abendveranstaltungen und um die anschliessenden Fortbildungs- Workshops. «Viele Tierärzte kennen sich mit Vögeln und Mäusen gut aus. Doch die Fledermaus ist weder das eine noch das andere. Mit ihr muss anders umgegangen werden. Frau Wunderlin ist eine der wenigen Veterinäre in der Schweiz, die weiss wie diese fliegenden Säugetiere funktionieren.» Dies erklärt auch das Hauptanliegen des Stiftungsteams, schweizweit ein Netzwerk von fledermauskompetenten Tierärzten zu schaffen, die die Pflegepersonen in ihrer Region unterstützen können. Die Fledermauspflege bleibt jedoch bei ausgebildeten Pflegepersonen. Und by the way, so Wunderlin, wüssten viele ihrer Berufskollegen nichts vom Schweizer Netzwerk der dezentralen Fledermaus-Notpflegestellen – insgesamt 63, davon sieben in der welschen Schweiz.

Zuständiger Leiter der Koordinationstelle für Fledermausschutz in der französischen Schweiz ist Pascal Moeschler (Centre de coordination ouest pour l’ étude et la protection de chauves-souris Muséum d‘ histoire naturelle) in Genf, Tel. 022 418 63 47, Mail: pascal.moeschler(at)ville-ge.ch

Sattelfest in Sachen Fledermaus

Vom grossen Säuger Pferd zum Kleinsäuger Fledermaus? Ja! Als Hobbyreiterin den Pferden sehr zugetan, mit Leib und Seele Pferdetierärztin (nach dem Staatsexamen von 2002–2007 an der Pferdeklinik im Tierspital Zürich), Dissertationsthema «Melanome beim Schimmel» ... Patrizia Wunderlin hatte nach der Mutterschaftspause das Bedürfnis nach einer familienfreundlichen Teilzeitarbeit und war offen für etwas Neues, wo sie aber ihr Wissen aus der Tiermedizin einbauen konnte.

«Ich kenne ihre Biologie, finde die Tiere hochinteressant und alles andere als verschriene Virenschleudern.»

Ersten Nahkontakt mit den mausgesichtigen Wesen hatte Patrizia Wunderlin im 2011, als sie neben ihrer Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Anatomischen Institut der Universität Zürich einen Kurs über die Biologie von Fledermäusen besuchte, um dann als freiwillige Mitarbeiterin die Fledermaus-Ausstellung im Zoo Zürich zu betreuen. Da sie während ihrer Assistenzzeit im Tierspital auch im Ausbildungsbereich für Studenten tätig war und später Hospitanzerfahrung in einer Zürcher Kleintierpraxis sammeln konnte, sei 2012 das Stellenangebot, als Veterinärin und Lehrkraft im Teilzeitpensum bei der Schweizer Stiftung Fledermausschutz tätig zu sein, zwar ein «Sprung ins kalte Wasser» gewesen. Andererseits «ein Glücksfall» für die inzwischen hauptberufliche Hausfrau und Mutter von drei Buben im Alter zwischen fünf und acht Jahren. Ihre fledermausspezifischen Kenntnisse hat sich Patrizia Wunderlin sukzessive erarbeitet. «Ich kenne ihre Biologie, finde die Tiere hochinteressant und alles andere als verschriene Virenschleudern.» Und sehr gerne leite sie zudem die regelmässigen Workhops für Schulklassen innerhalb der gemeinsam mit dem Zoo Zürich betriebenen interaktiven Ausstellung.

«Die Pfleglinge werden nur so lange wie nötig und möglichst artgerecht gepflegt, mit dem Ziel, die Tiere so schnell wie möglich überlebensfähig auswildern zu können. Dauerpfleglinge gibt es in den Pflegestationen keine. », ortet Dr. Hans-Peter B. Stutz den Handlungsbedarf beim heimischen Fledermaus-Artenschutz. Der Biologe engagiert sich seit nunmehr über 30 Jahren in der Notpflege von Fledermäusen, denen sein Herz seit seiner Studentenzeit gehört, als er die scheuen Pfleglinge zuhause mit seiner Partnerin aufpäppelte.

Dezentrale Fledermaus-Notpflegestellen. Auf der Schweizer Karte sind die derzeit insgesamt 63 dezentralen Fledermaus-Notpflegestellen abgebildet, wo Pflegepersonen arbeiten, die von der SSF ausgebildet worden sind.
www.fledermausschutz.ch

Sehen, erkennen und verstehen

Doch das mit dem daheim im Wohnzimmer Fledermäuse halten und pflegen ist seit einigen Jahren vorbei. Genauer gesagt seit dem Inkrafttreten der neuen Tierschutzverordnung (Art. 89 TSchV) im 2008 über Vorschriften für Wildtiere bezüglich Haltebewilligung, Sachkundenachweis und Fachspezifische berufsunabhängige Ausbildung. Die Stiftung hat reagiert und ihr Mitarbeiterteam in Zusammenarbeit mit weiteren Biologen und Veterinären das «Handbuch Fledermaus-Notpflege» erarbeitet. Die darin festgehaltenen Qualitätstandards dienen als Grundlage für ihre an Fledermaus-Pflegende gerichteten Fachkurse und Workshops über Rechtliches, Risiken, Biologie, Artenkunde, Ethik, Unterbringung, Behandlung, Pflege, Hygiene, Freilassung usw. «Viel Wissen und Erfahrung der letzten 30 Jahre konnten darin zusammen getragen werden. Bis heute haben schweizweit 60 Personen den Kurs ‹Fledermaus-Notpflege› abgeschlossen », freuen sich Patrizia Wunderlin und Hans- Peter Stutz. Finanzielle Unterstützung erhielt das Autorenteam der Stiftung dabei auch von der Haldimann- Stiftung und Kompanima. Weil Patrizia Wunderlin als Tierärztin nur zu genau weiss, dass es bei der ärztlichen Versorgung primär um fachgerechte Wundversorgung und nicht um den Jö-Effekt geht, hat sie die meisten dezentralen Fledermaus-Notpflegestellen in der deutschen und italienischen Schweiz besucht. «Hauptsächlich sah ich bei den Pflegenden das Problem darin, dass sie ihre Fledermausschützlinge quasi als niedliches Haustier betrachten sowie in der zwingend notwendigen Hygienehandhabung», ist ihr Fazit. Die Stiftung zum Schutze unserer Fledermäuse in der Schweiz (SSF) ist heute eine der bisher neun vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) anerkannten Ausbildungsorganisationen für Betreuungspersonal in Tierheimen.

«Die Pfleglinge werden nur so lange wie nötig und möglichst artgerecht gepflegt, mit dem Ziel, die Tiere so schnell wie möglich überlebensfähig auswildern zu können. Dauerpfleglinge gibt es in den Pflegestationen
keine.»

Und wie geht es der kleinen Flugkünstlerin auf die Notfall- Pflegestation? Die Handfütterung zeigte Erfolg. Das Rauhautfledermausweibchen hat ihr nötiges Entlassungsgewicht von sechs Gramm erreicht und konnte am 22. Mai ausgewildert werden. In der Statistik 2015 der Stiftung Fledermausschutz wird dieser Patient unter «Fundumstand draussen; Pflegeerfolg freigelassen» erfasst werden können. Glück gehabt!

Anita Baechli, abcomunica.ch

Gut zu wissen!

Am 24-Stunden-Nottelefon 079 330 60 60 hilft das Fachteam der Stiftung Fledermausschutz den Findern von verirrten, erschöpften oder verletzten Fledermäusen.

Erste Hilfeleistung: Fledermaus mit einem Tuch oder Handschuhen aufnehmen (verängstigte Wildtiere können beissen), in eine mit etwas Haushaltpapier gepolsterte Schachtel legen, mit kleinen Luftlöchern versehen, und mit Klebeband verschliessen. Denn oft genügt ein kleiner Spalt, und der Ausbruchskünstler ist wieder weg.

Alarmierend!

In der Schweiz sind 30 Fledermausarten nachgewiesen. Von den 26 bewerteten Arten stehen 15 Arten (58%) gemäss den von der Weltnaturschutzunion IUCN vorgeschlagenen Kriterien auf der Roten Liste, und 7 Arten (27%) sind potenziell gefährdet. Die Dachstöcke bewohnenden und in reich strukturierten Landschaften jagenden Fledermausarten sind am stärksten gefährdet. Die Gefährdung entsteht meist bei Gebäuderenovationen und Eingriffen in natürliche Lebensräume. Siehe Publikation «Rote Liste Fledermäuse», des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) vom Januar 2015.

www.bafu.admin.ch/publikationen, info(at)drwitschi.ch

 
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