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Journal Schweizer Archiv für Tierheilkunde
Verlag GST
Heft Band 157, Heft 12, Dezember 2015
ISSN (print) 0036-7281
ISSN (online) 1664-2848
online seit 2. Dezember 2015

Wissenschaft | Science 12|2015

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Vorwort: 50 Jahre Schweinegesundheitsdienst (SGD)

Korrekt heisst er eigentlich «Beratungs- und Gesundheitsdienst in der Schweinehaltung», aber alle kennen ihn als Schweinegesundheitsdienst oder eben kurz SGD bezeichnet. Wenn nun dieser SGD in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiert, dann ist es zweifellos angemessen, den wissenschaftlichen Teil dieser SAT-Ausgabe diesem Jubiläum zu widmen. Denn einerseits ist der SGD eine eigentliche Erfolgsgeschichte, die eine Würdigung verdient, andererseits gehen die grossen Erfolge des SGD in den letzten 50 Jahren auch Hand in Hand mit der Entwicklung der Schweinemedizin in der Schweiz. Der SGD steht aber auch als Sinnbild dafür, was bei einer guten Zusammenarbeit zwischen Produzenten, Vermarktern, Abnehmern, Tierärzten und staatlichem Veterinärdienst möglich ist. Herauszuheben gilt es dabei sicher die schweizweite Sanierung der Schweinebestände von den seuchenhaften Lungenkrankheiten Enzootische Pneumonie (EP) und Actinobacillose (APP), die bis heute weltweit einmalig ist.

Der Gründung des SGD lag die Einsicht zugrunde, dass in einer intensiveren Tierproduktion die Gesundheitsaspekte eine noch grössere Bedeutung haben, und dass gesunde Tiere nicht eine Selbstverständlichkeit sind, sondern besonderer Anstrengungen bedürfen. Nötig waren aber auch die Weitsicht und der Pioniergeist von ein paar wenigen Personen, die Tierhaltern, Behörden und Vermarktungsorganisationen das Potential eines Gesundheitsdienstes vermitteln konnten. Und was hat sich seit der Gründung bis heute verändert? Die Betriebe sind grösser geworden und der wirtschaftliche Druck verlangt ein noch besseres und kostenbewussteres Betriebsmanagement. Die einen Krankheiten konnten zwar ausgerottet werden, aber neue Erreger sind aufgetaucht und bilden eine Gefahr für die heutige Schweineproduktion. Dass die Tiergesundheit für den wirtschaftlichen Erfolg eines Schweineproduzenten von entscheidender Bedeutung ist, gilt 2015 noch stärker als zur Zeit der Gründung. So ist es nicht erstaunlich, wie der SGD auch heute noch in seinem Reglement seine Zielsetzung formuliert:

«Der Beratungs- und Gesundheitsdienst fördert eine qualitätsgesicherte Lebensmittelproduktion, indem er mit Hilfe vorbeugender Massnahmen für den Aufbau und die Erhaltung von gesunden, tiergerechten und damit leistungsfähigen Schweinebeständen sorgt. Der SGD schafft optimale Voraussetzungen zur Vermeidung von Krankheitsausbrüchen und der Ausbreitung oder Verschleppung von wirtschaftlich relevanten oder auf den Menschen übertragbaren Erregern.»

Auf den Punkt gebracht heisst das, mit wirkungsvoller Prävention gesunde Tierbestände zu erhalten. Dies schliesst neben optimalem Betriebsmanagement ganz besonders auch den verantwortungsvollen Umgang mit Medikamenten mit ein. Eine spezielle Herausforderung in der Schweineproduktion der Zukunft wird der restriktive Einsatz von Antibiotika sein. Dies kann nur gelingen, wenn Tierhalter und Tierärztin/Tierarzt optimal zusammenarbeiten.

Hans Wyss
Direktor Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV

50 Jahre Schweinegesundheitsdienst (SGD)

R. Scheidegger1, A. Estermann2, X. Sidler3
1Tramelan, 2SUISAG, Schweinegesundheitsdienst, Sempach, 3Abteilung Schweinemedizin, Universität Zürich

Categorie: Originalarbeit
DOI: 10.17236/sat00043
Autor: R. Scheidegger
Pages: 657-664
Online Date

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Lungen- und Pleuraläsionen vor und nach der Flächensanierung gegen Enzootische Pneumonie und Actinobazillose sowie Organ- und Schlachtkörperveränderungen bei Schlachtschweinen in der Schweiz

X. Sidler¹, J. Eichhorn¹, V. Geiser¹, E. Bürgi1, G. Schüpbach², G. Overesch3,
R. Stephan4, S. Schmitt5, M. Hässig6, T. Sydler7
1Departement Nutztiere, Abteilung Schweinemedizin, Universität Zürich, 2Veterinary Public Health Institut und 3Institut für Veterinärbakteriologie, Universität Bern, 4Institut für Lebensmittelsicherheit und -hygiene, 5Institut für Veterinärbakteriologie, 6Abteilung Herdenmedizin und 7Institut für Veterinärpathologie, Universität Zürich.

Zusammenfassung
In einer repräsentativen Querschnittstudie wurden während 12 Monaten in den Jahren 2008/2009 in vier Schlachthöfen in der Schweiz Lungen- und Pleura-Läsionen sowie Veränderungen an Organen und Schlachttierkörper von 34 706 Schlachtschweinen bezüglich Häufigkeit und Art der Veränderungen untersucht. Von 24 276 untersuchten Sigeln wiesen 91.2% der Lungen, 94.4% der Herzen und 95.5% der Lebern keine makroskopisch sichtbaren Veränderungen auf. Schlachtschweine, welche für ein Label-Programm produziert wurden, wiesen signifikant weniger Bronchopneumonien und narbige Einziehungen an den Spitzenlappen, diffuse Pleuritiden und Echinokokkenveränderungen bei Lebern auf. In Betrieben, die durch den Schweizerischen Schweinegesundheitsdienst (SGD) betreut wurden, konnten im Vergleich zu den Nicht-SGD-Betrieben signifikant weniger Bronchopneumonien und Pneumonie- Residuen, diffuse Pleuritiden, Pleuritis/Perikarditis und „Milkspots“ nachgewiesen werden. Dank der Flächensanierung gegen die Enzootische Pneumonie (EP) und Actinobacillose konnte die Lungengesundheit markant verbessert und die Häufigkeit von chronischen Pleuritiden deutlich gesenkt werden. Die Ergebnisse dieser Querschnittsstudie lassen auf eine gute Herdengesundheit bei Mastschweinen in der Schweiz schliessen.

 

Schlüsselwörter: Organveränderungen, Schlachtschweine, Schlachthof, Flächensanierung

 

Lung and pleura lesions before and after implementation of a national eradication program against enzootic pneumonia and actinobacillosis and lesions of slaughter carcasses and organs of slaughter pigs in Switzerland
In a representative cross-sectional study during 12 months of the years 2008/2009 in four abattoirs in Switzerland, lung and pleura lesions as well as lesions of slaughter carcasses and organs of 34 706 pigs were studied for frequency and type of macroscopic lesions. Of the 24 276 examined pigs, 91.2% of the lungs, 94.4% of the heart and 95.5% of the livers showed no macroscopically visible lesions. Pigs that were produced for a label program had significantly less bronchopneumonia and pneumonia residuals, pleuritis and liver lesions due to echinococcosis. Pigs supervised by the Swiss Pig Health Service (SGD), showed significantly less bronchopneumonia and pneumonia residuals, diffuse pleuritis, pleuritis/pericarditis and milkspots compared to the non-SGD supervised farms. Thanks to the national eradication program for enzootic pneumonia (EP) and actinobacillosis, the health status of lungs has been considerably improved and the prevalence of pleurisy decreased considerably. The results of this study indicate a good herd health in Swiss pig production.

 

Keywords: Organ lesions, fattening pigs, abattoir, national eradication program

 

Categorie: Originalarbeit
DOI: 10.17236/sat00044
Autor: X. Sidler
Pages: 665-673
Online Date

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Einfluss der persönlichen Einstellung des Betriebsleiters auf den Antibiotika- Verbrauch in der Schweineproduktion

J. Malik1, G. Kaufmann2, P. Hirsiger1, D. Kümmerlen1, C. Arnold3, P. Spring2,
X. Sidler1
1Departement Nutztiere, Abteilung Schweinemedizin, Universität Zürich, 2Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften, Zollikofen, 3SUISAG, Schweinegesundheitsdienst, Sempach

Zusammenfassung
Die persönliche Einstellung sowie das Fachwissen eines Menschen beeinflussen sein Verhalten und seine Handlungen im Alltag. Um den Einfluss von Einstellung und Wissen von Schweineproduzenten auf den Antibiotika- Einsatz in den Betrieben zu untersuchen, wurden 220 Schweizer Schweineproduzenten zu Gesundheitsbewusstsein, nachhaltigem Handeln, Risikoverhalten, intrinsischer Motivation und Fachwissen über Antibiotika und Resistenzbildung befragt. Weiter wurden in einem persönlichen Interview die Antibiotika-Einsatz- Strategie (therapeutischer oder prophylaktischer Einsatz) und die Einsatzpraxis (Einzeltier- oder Gruppenbehandlung), bezogen auf den Antibiotika-Verbrauch und die Gefahr der Bildung von Antibiotikaresistenzen, erhoben. Betriebe mit ausschliesslich therapeutischem Antibiotika-Einsatz wiesen eine signifikant bessere Einsatzpraxis auf. Einen Zusammenhang zwischen persönlicher Einstellung und Antibiotika-Verbrauch oder einer erhöhten Gefahr der Bildung von Antibiotikaresistenzen konnte in dieser Studie nicht belegt werden.

 

Schlüsselwörter: Antibiotika-Verbrauch, persönliche Einstellungen, Resistenzbildung, Schweineproduktion

 

Influence of personal attitude of the manager on antibiotic use in pig production
The attitude as well as the expertise of a person affect the behavior and actions in daily life. To investigate the influence of attitude and knowledge of pig producers on the use of antibiotics in farms, 220 Swiss pig producers were questioned on health awareness, attitude towards sustainable production, risk behavior, intrinsic motivation and knowledge about antibiotics and resistance development. In addition, the strategy of antibiotic use (therapeutic or prophylactic) and the business practice (single or group therapy) for the amount of antibiotics on one hand and for the risk of antibiotic resistance development on the other hand, were determined in a personal interview. Farmers using antibiotics only therapeutically had a better business practice. A direct link between the personal attitude and the antibiotic use or a higher risk of development of antibiotic resistance was not found in this investigation.

 

Keywords: antibiotic use, personal attitude, development of resistance, pig production

 

Categorie: Originalarbeit
DOI: 10.17236/sat00045
Autor: J. Malik
Pages: 675-681
Online Date

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Risikofaktoren für den oralen Einsatz von Antibiotika und Tierbehandlungsinzidenz bei Absetzferkeln in der Schweiz

P. Hirsiger1, J. Malik1, D. Kümmerlen1, B. Vidondo2, C. Arnold3, M. Harisberger3, P. Spring4, X. Sidler1
1Departement Nutztiere, Abteilung Schweinemedizin, Universität Zürich 2Veterinary Public Health Institute, Universität Bern, 3SUISAG, Schweinegesundheitsdienst, Sempach, 4Hochschule für Agrar-, Forst- und
Lebensmittelwissenschaften, Zollikofen

Zusammenfassung
In der vorliegenden Arbeit wurden auf 112 Schweinezuchtbetrieben Risikofaktoren für den Verbrauch von oralen Antibiotika bei Absetzferkeln anhand einer persönlichen Befragung erhoben. Die häufigste Indikation für eine antibiotische Gruppentherapie war Durchfall und das am meisten verwendete Antibiotikum Colistin. Im Durchschnitt wurden bei den Kontrollbetrieben 27.33 Tagesdosen und bei den Problembetrieben 387.21 Tagesdosen pro 1000 Absetzferkel an einem Tag verabreicht. Als signifikante Risikofaktoren im multivariaten Modell wurden mangelnde Tränkehygiene im Abferkelstall, keine oder weniger als zweimal tägliche Prästarterfuttergabe, kontinuierliche Bestossung des Absetzstalls, keine Herdebuch-Leistungsdatenauswertung und weniger als zwei der gesetzlich vorgeschriebenen Tierarzneimittelbesuche (TAM-Besuche) pro Jahr durch den Bestandestierarzt festgestellt. Ferner wurde anhand der Arzneimittelinventarlisten auf den Betrieben die Tierbehandlungsinzidenz der Absetzferkel für oral verabreichte Antibiotika berechnet. Dieses Ergebnis deutet darauf hin, dass der orale Antibiotikaverbrauch im Absetzstall durch Interventionen im Hygiene- und Managementbereich reduziert werden kann.

 

Schlüsselwörter: Antibiotikaverbrauch, Antibiotikareduktion, orale Gruppentherapie, Risikofaktoren, Tierbehandlungsinzidenz

 

Risk factors for the oral use of antibiotics and treatment incidence of weaners in Switzerland
In the present study, risk factors for the use of oral antibiotics in weaned piglets were collected on 112 pig farms by a personal questionaire. The most common indication for an antibiotic group therapy was diarrhoea, and the most frequently used antibiotic was Colistin. On average, 27.33 daily doses in the control farms and 387.21 daily doses in the problem farms per 1000 weaners were administered on a given day. The significant risk factors in the multivariate model were poor hygiene in the water supply of suckling piglets, less than two doses of prestarter feed daily, lack of an all-in-and-all-out production system in weaners, no herd book performance data analysis, and less than two of the legally prescribed veterinary visits per year. Furthermore, the treatment incidence of weaners for oral antibiotics was calculated on the basis of the drug inventory. This study provides evidence that the use of oral antibiotics in weaners can be reduced by interventions in hygiene and management.

 

Keywords: antibiotic use, antibiotic reduction, oral group therapy, risk factors, treatment incidencelungsinzidenz

Categorie: Originalarbeit
DOI: 10.17236/sat00046
Autor: P. Hirsiger
Pages: 682-688
Online Date

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Erhebung von Risikofaktoren für Mastitis-Metritis-Agalaktie in Schweinebetrieben in der Schweiz

B. Jenny1, B. Vidondo2, W. Pendl1, D. Kümmerlen1, X. Sidler1
1Departement Nutztiere, Abteilung Schweinemedizin, Universität Zürich, 2Veterinary Public Health Institut, Universität Bern

Zusammenfassung
Mastitis-Metritis-Agalaktie (MMA), vielerorts auch postpartales Dysgalaktie-Syndrom (PPDS) genannt, ist der wichtigste Krankheitskomplex der Muttersau nach der Geburt. In dieser Studie wurden 30 Betriebe mit MMA als Bestandesproblem (über 12% der Sauen einer Abferkelgruppe betroffen) mit 30 Kontrollbetrieben (unter 10% der Tiere einer Abferkelgruppe betroffen) verglichen, um Risikofaktoren und Tierbehandlungsinzidenz zu untersuchen. Zu den wichtigsten identifizierten Risikofaktoren gehören bei den Remonten das Eingliedern in die Grossgruppe nach dem ersten Abferkeln, bei den Galtsauen eine feste Kotkonsistenz sowie bei den säugenden Sauen verschmutzte Futtertröge, eine tiefe Durchflussrate der Tränkenippel (< 2 Liter pro Minute) und eine hohe Lahmheitsprävalenz. Signifikant unterschiedlich war auch die Tierbehandlungsinzidenz zwischen den Gruppen. Mittels Optimierung von Haltung, Fütterung und Management wäre es möglich, die MMA-Prävalenz zu reduzieren, was den Einsatz von Antibiotika entscheidend vermindern würde.

 

Schlüsselwörter: MMA/PPDS, Risikofaktoren, Tierbehandlungsinzidenz, Antibiotikaverbrauch, Antibiotikareduktion

 

Evaluation of risk factors for Mastitis-Metritis Agalactia in pig farms in Switzerland
Mastitis-Metritis-Agalactia (MMA), also known as postpartum dysgalactia syndrome (PPDS) is the most important disease complex in sows after birth. The present study compared 30 MMA problem herds (over 12% of farrowing sows affected) with 30 control farms (less than 10% of farrowing sows affected) to identify risk factors and treatment incidence. Important risk factors identified were in gilts the integration into the herd after the first farrowing, in gestating sows firm fecal consistency as well as in lactating sows soiled troughs, a low flow rate (< 2 liters per minute) in drinking nipples and a high prevalence of lameness. The treatment incidence was also significantly different between the two groups. The MMA prevalence could be reduced through optimization of husbandry, feeding and management, which could essentially diminish the use of antibiotics.

 

Keywords: MMA/PPDS, risk factors, treatment incidence, antibiotic use, reduction of antibiotics

Categorie: Originalarbeit
DOI: 10.17236/sat00047
Autor: B. Jenny
Pages: 689-696
Online Date

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