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Journal Schweizer Archiv für Tierheilkunde
Verlag GST
Heft Band 157, Heft 10, Oktober 2015
ISSN (print) 0036-7281
ISSN (online) 1664-2848
online seit 1. Oktober 2015

Vet-Info

Prevent a bite – Das Beisspräventionsprojekt zwischen Kind und Hund

Bevor ein Hund gestreichelt werden darf, muss immer erst aus sicherer Distanz zum Hund um Erlaubnis gefragt werden.
Bevor ein Hund gestreichelt werden darf, muss immer erst aus sicherer Distanz zum Hund um Erlaubnis gefragt werden.

Verschiedene Studien haben ergeben, dass Kinder im Zusammenhang mit Beissunfällen durch Hunde besonders gefährdet sind. Laut einer in den Jahren 2000–2001 von Ursi Horisberger erhobenen Statistik erlitten Kinder doppelt so häufig Bissverletzungen, die im Spital versorgt werden mussten, wie Erwachsene.

Kleine Kinder wurden vor allem am Kopf verletzt. 58% der Personen wurden durch den eigenen oder einen ihnen bekannten Hund gebissen. Bei Schalamon et al. (2006) werden in 75% der untersuchten Unfälle eine Interaktion zwischen Kind und Hund angegeben. Kahn et al. (2003) zeigten, dass fast alle Unfälle passierten, wenn keine erwachsene Person anwesend war.

Das Projekt Prevent a bite

Viele dieser Unfälle könnten vermieden werden, wenn Vorsichtsmassnahmen eingehalten und wenn die Betroffenen die Grundregeln im Umgang mit Hunden kennen würden. Zu diesem Zweck entwickelte John Uncle, ein erfahrener Hundetrainer, 1990 in England das Programm Prevent a bite. Seit 1996 gibt es das Projekt auch in der Schweiz und wird heute in mehreren Kantonen der Schweiz breitflächig angeboten. In einigen Kantonen ist das Präventionsprojekt bereits im Lehrplan integriert.

Die Einsätze in Kindergarten- und Schulklassen finden immer in einem Team statt. Die Kindergruppe wird durch eine Moderatorin geführt und von zwei bis drei Frauen mit ihren Hunden begleitet. Die Hundeführerinnen haben mit ihren gut sozialisierten Hunden eine theoretische und praktische Ausbildung von Prevent a bite durchlaufen. Die Teams wurden anschliessend durch einen ausgewiesenen Hundetrainer und einen Verhaltensmediziner geprüft.

Prevent a Bite übt mit Kindern die wichtigsten Verhaltensregeln im Umgang mit bekannten und fremden Hunden und hat zum Ziel, den Schülerinnen und Schülern spielerisch Verhaltensregeln gegenüber Hunden beizubringen. Beispiele aus dem Alltag werden besprochen und das richtige Verhalten in diesen Situationen in Rollenspielen und direkten Begegnungen mit den Hunden geübt. Dabei erhalten die Kinder Gelegenheit, Sicherheit im Umgang mit Hunden zu erwerben. Der direkte Kontakt zu den Hunden soll für jedes Kind freiwillig sein. Auf die Körpersprache der Hunde wird bewusst nicht eingegangen. Selbst erwachsene Hundebesitzer erkennen zum Teil die Warnsignale der Hunde nicht (Hornisberger et al. 2009) und etliche Hunde zeigen wenig oder keine (lesbaren) Signale. Durch das Vermitteln von Körpersprache würde den Kindern eine falsche und somit gefährliche Sicherheit gegeben.

Was tun, wenn ein Hund auf mich zurennt? – Still stehen, Hände nach unten, still sein und wegschauen.
Vielen Kindern ist der Umgang mit Tieren fremd. Die Verhaltensregeln im Umgang mit Hunden sollen Sicherheit vermitteln.

Interessierte Eltern sind bei Besuchen von Prevent a Bite immer willkommen. Durch die Abgabe einer Infobroschüre («Tapsi komm ...») soll erreicht werden, dass das Wissen vertieft und nach Hause getragen wird.

Beissprävention ist auch für uns Tierärzte ein wichtiges Thema:

  • Grundregeln im Umgang mit Hunden kennen/vermitteln 
  • Als Grundsatz gilt: Kinder nie unbeaufsichtigt mit Hunden zusammen lassen! 
  • Infobroschüren in der Praxis auflegen. Die Broschüre «Tapsi komm ...» kann beim BLV bezogen werden. (Neuauflage im Oktober 2015!)
  • Präventionsprojekte unterstützen/weiterempfehlen.

Dr. med. vet. Linda Hornisberger

Weitere Informationen:

Prevent a bite
www.prevent-a-bite.ch

Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV
www.blv.admin.ch

The Blue Dog
www.thebluedog.org

Literaturverzeichnis

Bundesamt für Veterinärwesen (BVET) (2004): Tapsi, komm …, Bern www.blv.admin.ch

Dupperex O1, Blackhall K, Burri M, Jeannot E (2009). Education of children and adolescents for the prevention of dog bite injuries Publ.Med.gov. 2009 Apr. 15(2)

Horisberger, U. (2002): Medizinisch versorgte Hundebissverletzungen in der Schweiz: Opfer, Hunde, Unfallsituationen. Dissertation Universität Bern, Bern

Hornisberger, L. (2009): Wissensstand der Hundehalter in der Schweiz zum Thema Gefährdung von Kindern durch Hunde. Dissertation Universität Bern, Bern

Kahn, A., Bauche, P., Lamoureux, J. (2003): Child victims of dog bites treated in emergency departments. European Journal of Pediatrics 162, 254–258

Schalamon, J., Ainoedhofer, H., Singer, G., Petnehazy, T., Mayr, J., Kiss, K., Höllwarth M. D. und M. E. (2006): Analysis of dog bites in children who are younger than 17 years. Pediatrics 117, 374–379

Riond J., Hornisberger L., Lentze T., Niggli U., Pillonel C., Pilloud C., Francfort P., Spichtig M., Gobat P. (2007) Schulung von Kindern zur Prävention von Hundebissen. Schweizer Archiv für Tierheilkunde 149, 533–534

 
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